Unzufriedenheit im Job: Oft sind die Chefs schuld

Studie von Forsa im Auftrag von Porsche Consulting

Nach einer von Porsche Consulting in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage geht nur knapp jeder zweite Berufstätige in Deutschland jeden Tag gern zur Arbeit. Einer der wesentlichen Gründe: der direkte Vorgesetzte. Jeder dritte Arbeitnehmer hat im Laufe des Jahres 2019 über eine Kündigung nachgedacht, weil er mit seinem Chef unzufrieden ist.

Unglücklich am Arbeitsplatz (Bild: Tiko - AdobeStock)
Unglücklich am Arbeitsplatz (Bild: Tiko - AdobeStock)

Aus Sicht unzufriedener Angestellter schenken die Vorgesetzten ihren Mitarbeitern zu wenig Aufmerksamkeit. Die Befragten kritisieren, der Chef kümmere sich um zu viele Dinge gleichzeitig (45%), wirke oft gestresst (32%) und lobe zu selten (28%). Auch der Eindruck, wichtige Informationen würden vorenthalten oder sehr kurzfristige Änderungen gestellter Aufgaben führen zu Verdruss.

Chefinnen machen es etwas besser

Bei nahezu allen Kritikpunkten schnitten Chefinnen etwas besser ab als ihre männlichen Kollegen: Lediglich einem Viertel der weiblichen Vorgesetzten (26%) wird vorgehalten, ihre Mitarbeiter zu wenig zu loben - gegenüber fast einem Drittel der männlichen Chefs (30 %). Auch teilen Chefinnen Informationen bereitwilliger mit Mitarbeitern als Chefs - nur 25 Prozent bemängelten dies bei weiblichen gegenüber 29 Prozent bei männlichen Vorgesetzten. Frauen mit Führungsverantwortung sind mit 19 Prozent ebenfalls deutlich weniger sprunghaft bei der Priorisierung von Aufgaben als Männer (24 %).

Schwere Schieflage

"Unsere Umfrage macht deutlich: Das Verhältnis zwischen Chefs und Mitarbeitern ist nicht selten in einer schweren Schieflage", sagt Dr. Wolfgang Freibichler von Porsche Consulting. Als Partner bei der Managementberatung Porsche Consulting ist er Experte für Führungsverhalten und hilft Unternehmen, die Arbeitsatmosphäre an kritischen Stellen deutlich zu verbessern. Freibichler nennt die häufigsten Ansatzpunkte bei seiner Beratertätigkeit: "Vorgesetzte müssen ihr Steuerungsverhalten ändern und sich voll auf ihr Team konzentrieren statt ihre Zeit hauptsächlich in Konferenzen und Gremien zu verbringen. Zugleich sollten sie ihren Mitarbeitern maximalen Freiraum für die Gestaltung ihrer Aufgaben schaffen. Und ganz wesentlich sind die menschlichen Aspekte - Nähe, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Rückendeckung."

Für entsprechende Führungskonzepte bezieht Freibichler zuallererst die Mitarbeiter mit ein. "Sie sind das Stimmungsbarometer im Unternehmen und zeigen atmosphärische Schwankungen zuerst an. Wer das ignoriert, riskiert als Unternehmer Verluste bei Kompetenz, Innovationskraft und Produktivität."

Zur Studie: Forsa befragte im Auftrag von Porsche Consulting 1001 Arbeitnehmer im Alter von 21 bis 67 Jahren. 

ts

Veröffentlicht am: 28.02.2020

 

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