US-Großbanken ziehen der europäischen Konkurrenz davon

EY vergleicht europäische und amerikanische Bankenlandschaft

Die zehn nach Bilanzsumme größten Bankhäuser Europas haben ein schwieriges Halbjahr hinter sich: Laut einer Analyse von EY sank der Nettogewinn um fast ein Viertel (24 Prozent) von 29,1 auf 22,1 Milliarden Euro.


Doch damit nicht genug: Wie EY außerdem ermittelte, schrumpfte auch die Eigenkapitalquote von 5,6 auf 5,4 Prozent, während die Eigenkapitalrentabilität von 6,7 auf 5,3 Prozent zurückging. Damit fielen die europäischen Großbanken noch weiter hinter ihre US-amerikanischen Pendants zurück. Zwar mussten auch die zehn größten US-Banken einen Gewinnrückgang um 20 Prozent hinnehmen, aber dennoch erzielten sie mit insgesamt 47 Milliarden Euro einen mehr als doppelt so hohen Nettogewinn als ihre europäischen Konkurrenten. Zudem konnten die führenden Kreditinstitute der Vereinigten Staaten ihre Eigenkapitalquote um 0,1 Prozent steigern und wirtschafteten mit einer Eigenkapitalrentabilität von 8,6 Prozent spürbar profitabler als die europäischen Bankhäuser.

Betrachtet man die Entwicklung seit dem Beginn der Finanzkrise, wird deutlich, dass die US-amerikanischen Großbanken die Folgen der Krise bereits deutlich besser überwunden haben als ihre europäische Konkurrenz. So hatten die europäischen Banken im ersten Halbjahr 2007 – dem letzten Vorkrisenhalbjahr – mit einer Eigenkapitalrentabilität von 18,6 Prozent nicht nur ihren heutigen Wert deutlich übertroffen, sondern auch ihre US-amerikanischen Wettbewerber (17,3 Prozent) hinter sich gelassen. Darüber hinaus liegt der derzeitige Nettogewinn um mehr als die Hälfte niedriger als 2007 (45 Milliarden Euro), während die US-Banken in dieser Kategorie ihr Vorkrisenniveau (39 Milliarden Euro) bereits übertrumpft haben.

Europäische Großbanken müssen an vielen Fronten kämpfen

Aus Sicht von EY-Partner Dirk Müller-Tronnier haben die europäischen Banken mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: "Das historisch niedrige Zinsniveau bremst die Gewinnentwicklung zunehmend – bei vielen Banken erwirtschaftet das Zinsgeschäft kaum noch oder gar keine Gewinne mehr. Und da ein Ende der Niedrigzinsphase derzeit nicht absehbar ist, werden die Probleme immer größer." Zudem sei aufgrund der steigenden regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Eigenkapital und Risikovorsorge mit dem Investmentbanking auch ein wichtiges Geschäftsfeld unter Druck geraten. "Das Investmentbanking – einst der Gewinnmotor der Banken – ist riskant und bindet angesichts der inzwischen hohen Anforderungen an das Eigenkapital viel Geld, daher haben viele Banken ein massives Strategieproblem. Früher profitable Geschäftszweige existieren so nicht mehr, die neue Realität niedriger Zinsen, hoher Anforderungen an die Kapitalausstattung und veränderter öffentlicher Wahrnehmung erfordert andere Produkte und eine schlankere Aufstellung. Doch der Weg dahin ist lang, und der Umbau kostet viel Geld", so Müller-Tronnier, der auch in den schwelenden Altlasten der Institute ein Problem sieht: "Nach wie vor müssen etliche Großbanken hohe Summen für Strafzahlungen und Rechtsstreitigkeiten aufwenden – das drückt die Gewinne weiter."

Der Kostendruck, der auf den europäischen Großbanken laste, werde angesichts dieser Situation nicht kleiner. "Wir werden in den kommenden Jahren weitere Restrukturierungen, Sparprogramme, Entlassungen, Filialschließungen und womöglich auch Fusionen und Übernahmen sehen – dem europäischen Bankensektor steht noch eine kräftige Schrumpfkur bevor", prognostiziert Müller-Tronnier.

tt

Veröffentlicht am: 19.09.2016

 

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