Verkehrswende: Auswirkungen auf die Transportlogistik

Transportlogistik

Nicht nur die Diskussion rund um den Klimaschutz hat in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Auch der Güterverkehr wächst beständig. Immer mehr Container und Pakete müssen transportiert werden ‒ möglichst schnell, effizient und umweltschonend. Wie gelingt das in Zukunft am besten? Und wo setzen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft heute an? Eine Bestandsaufnahme.

LKW (Bild: BUSARA - Adobe Stock)
Ziel ist es, die Transportlogistik im Rahmen einer modernen Verkehrswende ökologisch verträglicher zu machen (Bild: BUSRA - Adobe Stock)

Trotz aller Einschränkungen und Umwälzungen ‒ an zwei Umständen ändert die Corona-Krise letztlich nichts: Der Klimawandel bleibt die große Herausforderung unserer Zeit und zugleich wächst der Warenverkehr mit seinem CO2-Ausstoß weiter. Spätestens, wenn die Pandemie überwunden ist, muss sich deshalb der Fokus wieder auf die Frage richten, wie die Transportlogistik im Rahmen einer modernen Verkehrswende ökologisch verträglicher werden kann. Einige Ansätze sind schon vor Corona von öffentlichen Akteuren auf den Weg gebracht worden, vieles muss aber noch umgesetzt und weitergeführt werden.

Wie eine Prognose im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ermittelt hat, wird das Transportaufkommen in Deutschland bis 2030 um 18 Prozent steigen. Die Transportleistung bis dahin wird mit einem Plus von 38 Prozent berechnet. Eine Tendenz zu länger laufenden Transporten ist deutlich erkennbar. Damit steigt auch der Kohlendioxidausstoß; zumindest, wenn der Haupttransportträger weiterhin der Lkw bleibt.

2019 kam laut Bundesumweltamt dieses Verkehrsmittel auf 111 Gramm Treibhausgas-Ausstoß pro Tonnenkilometer, während das Binnenschiff 30 Gramm und die Güterzüge nur 17 Gramm ausstießen. Keine Frage also, dass es zum einen eine Umschichtung der Transportgüter von den Straßen auf Schienen und Wasserwege braucht. Zusätzlich kann aber auch modernere Antriebstechnik bei Lkw helfen.

Bund und EU setzen ehrgeizige Ziele

Die Politik hat die Notwendigkeit zum Handeln erkannt und sich mit Richtlinien für die nähere Zukunft nicht zurückgehalten. So präsentierte die Kommission der Europäischen Union im Zuge des European Green Deal Ende 2020 eine langfristige Mobilitätsstrategie. Diese sieht ‒ neben etlichen Vorgaben im Personenverkehr ‒ unter anderem eine Verdopplung des Frachtverkehrs auf Schienen bis 2050 und eine Verschärfung der Verordnung über CO2-Standards von Lkw vor.

In Deutschland hat das Bundesverkehrsministerium bereits 2019 das „Innovationsprogramm Logistik 2030“ vorgelegt, in dem beispielsweise ein Ausbau des Förderprogramms für energieeffiziente und CO2-arme Lkw verkündet wurde. Zudem soll eine überarbeitete Mautgestaltung deutliche Anreize für umweltfreundliche und emissionsarme Lkw setzen.

Kooperation für kombinierten Güterverkehr

Um mehr Waren von der Straße auf die Schiene oder das Wasser zu verlagern, bietet sich ein kombinierter Güterverkehr als eine Lösung an. Dabei wird die Fracht nur einen möglichst kurzen Abschnitt des Transportweges per Lkw vorangebracht, etwa auf Teilstrecken mit schlechter Schienen- oder Wasserstraßenanbindung. Sobald es möglich ist, werden die Güter dann auf Zug oder Binnenschiff umgeladen. Für dieses effiziente Modell lässt sich auch die Wirtschaft gerne begeistern.

Im März dieses Jahrs gaben die DB Cargo AG, die Kombiverkehr KG und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer unter dem Label „Klimaschutz durch kombinierten Verkehr“ eine neue Kooperation bekannt: Über 230 Spediteure wollen gemeinsam mit der Gütersparte der Deutschen Bahn mehr Container von der Autobahn auf die Schiene verlagern. Von der besseren Verknüpfung von Güterzügen und Lkw erhoffen sich die Beteiligten eine CO2-Reduktion um 50 Tonnen in den kommenden zehn Jahren. Ein Netzwerkausbau und mehr Digitalisierung an den Umschlag-Terminals sollen dabei helfen.

Automatisierung der Transportprozesse

Hier deutet sich bereits an, dass es bei der Verkehrswende um noch mehr geht als den reinen Umweltaspekt. Schließlich ermöglicht die Digitalisierung ohnehin neue Techniken, um den Transport schneller und effizienter zu machen. So kann eine Erhöhung der Kapazitäten in Zukunft besser abgefangen werden. Automatisierte Lkw und ihre Abfertigung stehen dabei im Zentrum. Das Förderprogramm „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologie“ des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Unternehmen in diesem Sinne unterstützen.

Im Juli 2020 ging aus dieser Initiative zum Beispiel ein Projekt zu autonomer Innovation im Terminal-Ablauf hervor. Im Zentrum steht ein autonom fahrender Lkw, der die Verladeprozesse im Terminal flexibler und zeitgenauer erledigen soll. Helfen sollen Algorithmen zur Ortung und Hinderniserkennung im Lkw sowie eine automatische Kommunikation zwischen Fahrzeug und Terminal bzw. Container-Depot. Für das Projekt arbeiten namhafte Partner wie MAN, die Deutsche Bahn und die Hochschule Fresenius zusammen.

Lastenrad (Bild: David Fuentes - Adobe Stock)
Lastenräder sind umweltfreundliche Alternativen (Bild: David Fuentes - Adobe Stock)

Die letzte Meile zählt

Vergessen werden darf nicht, dass auch die finalen Transportwege deutlichen Veränderungen unterworfen sind. Dies gilt nicht nur für größere Fracht, sondern auch für kleinere Pakete. Infolge des boomenden Online-Handels der vergangenen Jahre, der durch die Corona-Pandemie noch einmal zusätzlichen Schub erhalten hat, drängen sich immer mehr Lieferwägen durch die Innenstädte. Das betrifft sowohl gewerblichen Verkehr als auch Paketdienste. Zugleich wachsen und verdichten sich die Großstädte zunehmend, was das Durchkommen erschwert, und die Umwelt leidet aufgrund einer erhöhten Lärm- und Abgasentwicklung mit.

Lösungsansätze finden sich im Wesentlichen auf verschiedenen Ebenen, die für einen möglichst hohen Wirkungseffekt geschickt kombiniert werden müssen:

  • Organisatorische Ebene: Sie betrifft vor allem die Zustellprozesse. Lieferungen können gebündelt werden, um Fahrten einzusparen. Micro-Hubs in Innenstädten verkürzen Lieferwege. Nachtzustellungen entschlacken den Verkehr am Tag.
  • Technische Ebene: Hier geht es allen voran um die Lieferfahrzeuge. Eine Umstellung auf Elektromobilität und kleinere Wagen bzw. Lastenfahrräder spart fossilen Treibstoff ein und verschlechtert die Luft in Innenstädten nicht zusätzlich.
  • Infrastrukturelle Ebene: Dabei wird Bezug auf städtebauliche Maßnahmen und die Beschaffenheit von Lieferzentren genommen. Beispiele sind gezielt und häufiger eingerichtete Be- und Entladezonen, die zugleich als Parkplätze genutzt werden können oder kleinere Depots in Innenstädten, die gemeinschaftlich verwendet werden.

Eine solche Verkehrswende auf den letzten Metern käme nicht nur der Umwelt und der unternehmerischen Effizienz zugute, sondern auch dem Wohlbefinden von Stadtbewohnern und der Gesundheit der Transportmitarbeiter. Da letztere ohnehin schon einen hohen Krankenstand aufweisen, wäre dies ein besonders wünschenswerter Nebeneffekt. Das Innovationsprogramm Logistik des Bundesverkehrsministeriums sieht unter anderem eine Förderrichtlinie zur städtischen Logistik vor, die Kommunen und Landkreise beim Erstellen von Logistikkonzepten, Machbarkeitsstudien und konkreten Einzelvorhaben unter die Arme greifen soll.

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Bandbreite der Technik nutzen

Unabhängig vom Stadium des jeweiligen Transportweges ist es eine Herausforderung, die Verkehrswende abseits organisatorischer Aspekte auch technisch voranzutreiben. Wie am Beispiel des autonomen Lkw von MAN gesehen, ist die Automatisierung eine zukunftsträchtige Lösung. Besonders im Bereich der Antriebe und Fahrzeugtypen gibt es aber noch viele weitere Anknüpfungspunkte. Hier ist primär die Elektromobilität zu nennen.

Lkw werden künftig immer häufiger mit Elektroantrieben unterwegs sein. Verschiedene Hersteller wie VW, MAN oder Mercedes-Benz haben elektrische Lkw angekündigt, die bis in den Bereich des Schwerverkehrs nutzbar sind. Teilweise testen die Hersteller schon erste Modelle oder liefern sie bereits an erste Kunden aus. Sie nutzen Strom aus Wind und Sonne sehr energieeffizient und kostengünstig. In besonderem Maße durchsetzen dürften sich E-Lkw vor allem in der Stadtlogistik. Auf diesem Gebiet hat sich etwa die Deutsche Post DHL Group mit ihrem eigenproduzierten Streetscooter einen Namen gemacht. Zwar rechnete sich die Herstellung für die auf Autoproduktion nicht spezialisierte Post kaum, weshalb sie das Projekt demnächst wieder einstellen wird. Jedoch hat sie gezeigt, wie es in der Zukunft funktionieren kann und Wege geebnet.

Zug (Bild: lisovoy - Abobe Stock)
Güterzügen sind dort von Vorteil, wo schwere Güter wie Holz oder Autos über weite Strecken transportiert werden (Bild: lisovoy - Adobe Stock)

Im Bereich des Schienengüterverkehrs gilt es, die verschiedenen Transportvarianten auf Schienen besser auszunutzen. Vorteilhaft wird die Logistik mit Güterzügen immer dort bleiben, wo schwere Güter wie Holz oder Autos über weite Strecken transportiert werden. Direktzüge können sie unmittelbar an ihr Ziel bringen. Im kombinierten Verkehr ist dagegen auf Ganzzüge zu setzen, die ihren Wechselbehälter am Umschlagterminal austauschen können. Diese Technik zu beherrschen, wird für Hersteller und Logistiker zunehmend wichtig. Letztere sind durch den stetig steigenden Produktionszeitdruck kaum noch in der Lage, einen ganzen Zug mit Gütern zu füllen. Der Kombinierte Verkehr schafft dabei ebenso Abhilfe wie der Einzelwagen- oder Wagenladungsverkehr, bei dem einzelne Waggons in Rangierbahnhöfen zusammengestellt werden. Durch Automatisierung und Digitalisierung solcher Prozesse, können hier in Zukunft Kosten gesenkt, Zeit gespart und damit der Schienenverkehr attraktiver werden.

Lufttransporte zukunftsfähig gestalten

Abseits der Transportwege auf Straßen, Schienen und Wasser gilt ein Hauptaugenmerk natürlich auch der Cargo-Sparte der Luftfahrt. Während der Corona-Krise hat sie namhaften Fluggesellschaften angesichts des dramatisch eingebrochenen Passagiergeschäfts als standhafter Gewinnbringer Hoffnung gegeben. Auch in Zukunft wird der Lufttransport ein zentraler Logistikfaktor bleiben, muss jedoch ebenso wie die anderen Branchen die Verkehrswende mittragen. Als Ziele bis 2030 definiert der Logistikplan des Verkehrsministeriums etwa:

  • Optimierung der Anbindung von Flughäfen an landgebundene Verkehrsträger
  • Maßnahmen zu Verkürzung der Genehmigungsdauer für Ein- und Ausflüge im Frachtcharterverkehr
  • Einrichten digitaler Testfelder, um innovative Prozesse in der Luftfracht-Logistikkette unter realen Bedingungen umfassend zu erproben
  • Einen Rechtsrahmen für die kommerzielle Nutzung automatisierter und ferngesteuerter Luftfahrtsysteme wie Drohnen schaffen

Mit einer vermehrten Anwendung von Drohnen ließe sich der Lieferverkehr auf dem Boden vielerorts ersetzen, zum Beispiel beim Ausliefern von Paketen an die Haustür oder bei dringenden Medizintransporten. Im Prozessbereich könnten unter anderem Zollabfertigungen digitalisiert und mittels Künstlicher Intelligenz die Frachtabfertigung schneller und effizienter gestaltet werden. Das Ziel ist ein flüssigerer Warenaustausch, der dem erhöhten Transportaufkommen der Zukunft Rechnung trägt.

/jr

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