Vom Versagen, der Mafia und dem Kommerzfußball

Medienspiegel

Wenn ein Philosoph an deutschen Politikern verzweifelt und ein Magazin die Mafia aus Neapel für ihr Management würdigt – dann ist es Zeit für unseren Medienspiegel. Auch die Kraft des Scheiterns und den Kommerzfußball konnten wir nicht ignorieren. Lesen Sie mehr!


Von Tim Farin

Niemand wird bezweifeln, dass unser Gemeinwesen nicht nur vor, sondern mitten in großen Herausforderungen steckt. Es besteht jedenfalls kein Mangel an Krisen, die Politiker bearbeiten müssen. Doch sind die politischen Akteure den Problemen gewachsen? Auf der Seite von Cicero vertritt Philosoph und Journalist Alexander Grau eine steile These: "Wohin man schaut, regieren Einfallslosigkeit, Verzagtheit und allgemeines Durchwurschteln anstelle von Tatkraft und Entschlossenheit." Grau fordert Entscheider, die Probleme nicht mehr seriell angehen, sondern zu Multitasking in der Lage sind. "Die Sehnsucht nach Neuem ist übergroß, doch die etablierten Parteien und Institutionen liefern nicht", schreibt Grau.

Sie haben was verbockt!

Scheitern ist längst keine Schande mehr – aber so konsequent wie Justin Brady vertritt wohl kein anderer die Kultur eigener Fehlbarkeit. Auf der Seite des Harvard Business Manager appelliert der "totale Versager": "Stehen Sie zu Ihren Misserfolgen". Brady nimmt eine eigene gescheiterte Veranstaltung zum Anlass, über die Gründe für den persönlichen Misserfolg nachzudenken – und leitet daraus allgemeine Regeln ab. So gilt für ihn etwa, dass man eigene Fehler benennen sollte, um eine "echte Beziehung" zu seinem Team aufzubauen. Ein bisschen weniger "Success Story" könnte also langfristig mehr Erfolg bringen.

Was bringt die Zuwanderung der Wirtschaft?

Die Geschichten zum Jubiläum des Merkel-Satzes "Wir schaffen das" waren nicht mehr zählbar, darunter gab es viele Texte, die die Integrationspolitik in unserer Gesellschaft allgemein diskutierten. Während viele Autoren in der Zuwanderung eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung sehen, positioniert sich Daniel Stelter, Gründer des Diskussionsforums "Beyond the obvious", kontrovers und kritisch: "Die Zuwanderung wird, anders als politisch motiviert und medial immer wieder betont, eben keinen ökonomischen Nutzen bringen", schreibt Stelter in einem Artikel für das Manager Magazin.

Weniger Hierarchie – mehr Unternehmergeist

Viele Unternehmen haben dasselbe Problem: Sie erreichen nicht, was sie wollen – obwohl sie hochqualifizierte Experten und gut geschulte Manager sowie einen ausgefeilten Fundus an Mechanismen und Prozessen haben, um das unternehmerische Handeln zu leiten. In ihrem Beitrag für Capital vertritt die Unternehmensberaterin Pia Struck die Ansicht, dass diesem Problem nicht auf der Verhaltensebene oder durch Führungskräftetrainings beizukommen ist. Wer das Potenzial seines Unternehmens ausschöpfen möchte, könne sich stattdessen etwa von erfolgreichen Start-ups inspirieren lassen und an der Hierarchie ansetzen: "Meint es ein Unternehmen ernst damit, eine solche Kultur erschaffen zu wollen, muss es sich mit der Frage beschäftigen, wie sehr seine heutigen Strukturen die Eigenverantwortung und Innovationskraft der Mitarbeiter stärken", argumentiert Struck.

Lernen von der Mafia

Darf man eine Mafia-Organisation für ihr Business-Geschick bewundernd analysieren? Vielleicht muss man dafür aus Großbritannien kommen, wo ernste Analyse und Ironie gern Hand in Hand gehen. Ein aktuelles Beispiel: Der Economist hat das unternehmerische Handeln der italienischen Camorra betrachtet und findet: "Die neapolitanischen Kriminellen-Familien sind erstaunlich gute Unternehmer". So verfügt die Camorra etwa über eine Art Vorstand, der nicht nur die Strategie festlegt, sondern auch die Ressourcenplanung. Darunter gebe es eine starke Konzernstruktur, die auch aus sehr wirkungsvollen Team-Building-Maßnahmen ihre Kraft zieht.

Stressesser und Naschkatzen

Für Hochleistungssportler gehört nicht nur das körperliche Training, sondern auch die Ernährung seit Langem zum Beruf. Bei weniger körperlich aktiven Menschen sieht das oft anders aus: Da gibt es Rekorde vor allem in der Kalorienaufnahme und dem Naschen von Gummibärchen und Schokolade unter Stress. Anlass für WirtschaftsWoche-Volontärin Lisa Oenning, in einem Gespräch mit dem Ernährungsberater Patric Heizmann über richtige und falsche Verhaltensweisen zu sprechen. Heizmann erklärt auch, warum wir manchmal zunehmen, obwohl wir mit Sport die Pfunde attackieren.

Sch…-Millionäre!

Ob Geld Tore schießt, das ist eine ewige Fußball-Diskussion. Tief verankert sind bei vielen Fans die Vorbehalte gegen die "Kommerzialisierung" des Sports, obwohl bei Lichte betrachtet der Profisport natürlich immer eine kommerzielle Veranstaltung ist, ob nun in Bremen, München, Köln oder Hamburg-St. Pauli. Zwei Vereine, die auf den Stehplätzen der Traditionsklubs besonders kritisch betrachtet werden, trafen am ersten Bundesligaspieltag aufeinander: Die vom Milliardär Dietmar Hopp kräftig unterstützte TSG Hoffenheim und der Koffeindrink-Ableger RB Leipzig um den beschlagenen Sportdirektor Ralf Rangnick. Für Spiegel Online beobachtete Christoph Ruf die Partie. Er sah ein attraktives Spiel – vielleicht also gar ein ganz normales Match? "Nein, beziehungsweise: noch nicht, wie Rangnick hofft, der ja immer wieder betont, dass man in 100 Jahren eine 107-jährige Fußballtradition vorweisen könne."

Darüber könnte man mal nachdenken. Vielleicht bieten die kommenden Tage ja die Gelegenheit. In diesem Sinne: Schönes Wochenende!

Veröffentlicht am: 02.09.2016

 

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