WhatsApp-Trend geht an Versicherern fast komplett vorbei

HEUTE UND MORGEN analysiert Social-Media-Aktivitäten der Assekuranz

Die Erkenntnis, dass deutsche Konsumenten immer mehr Zeit im Internet und in den sozialen Netzwerken verbringen, ist längst auch in der Versicherungsbranche angekommen. Daher versucht ein Großteil der Unternehmen, eine Social-Media-Strategie aufzubauen.

Menschen mit Tablets (Bild: Robert Churchill - Thinkstock)
Die Social-Media-Strategie vieler Versicherungsunternehmen befindet sich noch in der Aufbauphase. (Bild: Robert Churchill)

Ein Anfang ist bereits gemacht: Laut einer Studie von HEUTE UND MORGEN haben lediglich 16 der 210 untersuchten Versicherer noch keine eigenen Social-Media-Kanäle angelegt. Die restlichen 194 Unternehmen sind dafür umso fleißiger – gemeinsam verfügen sie über insgesamt 933 Social-Media-Profile auf 25 verschiedenen Plattformen. Jedoch räumen die einzelnen Versicherungen dem Thema noch unterschiedlich viel Gewicht ein: So ist etwa jedes fünfte Unternehmen nur in einem oder zwei sozialen Netzwerken vertreten, während die meisten Wettbewerber im Durchschnitt bereits sechs bis acht Profile aktiv nutzen.

In vielen Unternehmen mangelt es aus Sicht von HEUTE UND MORGEN jedoch noch an einer den Bedürfnissen der eigenen Kunden angepassten Social-Media-Strategie. Beispielsweise decken sich die Schwerpunkte der Unternehmensaktivitäten in den sozialen Netzwerken oftmals noch nicht mit den aktuellen Nutzungsschwerpunkten der Bundesbürger. So ist über die Hälfte (57 Prozent) der Versicherer bei Twitter aktiv, obwohl nur 7 Prozent der Deutschen täglich beim Kurznachrichtendienst vorbeischauen. Deutlich mehr Potenzial bietet dagegen der Messenger WhatsApp, der immerhin von rund zwei Dritteln (65 Prozent) der deutschen Verbraucher täglich genutzt wird. Dennoch bieten bislang nur 2 Prozent der Versicherungen ihren Kunden eine Kontaktaufnahme via WhatsApp an.

Versicherer steigern ihre Reichweite deutlich, schöpfen Potenziale aber noch nicht aus

In den weiteren sozialen Netzwerken konnten die Unternehmen hingegen in den letzten Jahren deutliche Reichweitenzugewinne verbuchen – auch wenn die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft sind. So ist es den Versicherern zwar zum Beispiel auf Facebook gelungen, die Reichweite der Branche im Vergleich zum Januar 2013 um über 300 Prozent auf etwa 3,5 Millionen Follower zu erweitern. Allerdings hat es bisher keine Versicherung geschafft, mehr als 3 Prozent ihrer Kunden innerhalb dieses sozialen Netzwerks zu aktivieren. Erste vorsichtige Schritte unternehmen einige Gesellschaften auch in den Fotodienst Instagram: Zwar ist die absolute Zahl der Follower mit rund 33.500 hier noch sehr überschaubar, doch immerhin konnten die Unternehmen diesen Wert innerhalb der vergangenen zwölf Monate um etwa 650 Prozent vergrößern. Eine ähnlich positive Steigerungsrate erarbeitete sich die Branche auf YouTube: Innerhalb der Videoplattform konnten die Versicherer ihre Abonnentenzahl seit Januar 2013 um rund 1.100 Prozent auf etwa 76.000 steigern.

Nach Einschätzung von HEUTE UND MORGEN zeigen die Zahlen das große Potenzial, dass für die Versicherungsbranche noch in den sozialen Netzwerken schlummert – zumal sich die Unternehmen im Branchenvergleich hinsichtlich der Akzeptanz der Aktivitäten durch den Kunden derzeit nur im Mittelfeld – und damit deutlich hinter den Spitzenreitern Automobil und Konsumgüter – platzieren können. "Die Potenziale des mobilen Internets und der sozialen Netzwerke im Hinblick auf Reichweiten und Nutzungskontexte ist enorm. Um diese wirksam zu nutzen und den Anschluss an den Wettbewerb nicht zu verlieren, müssen alte Denkmuster in Frage gestellt und der Spagat zwischen Strategie und nachlaufendem Aktionismus gelingen", so Höllger.

Zur Studie:
Für die Studie "Mediennutzung und Kommunikation in Deutschland 2016" hat HEUTE UND MORGEN im April 2016 2.000 Bundesbürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die über einen Internetanschluss verfügen, befragt. Im Juni 2016 wurden zudem die aktuellen Social-Media-Aktivitäten und Strategien von 210 deutschsprachigen Versicherern und Krankenkassen aus der DACH-Region differenziert nach unterschiedlichen Medienkanälen analysiert.

tt

Veröffentlicht am: 28.06.2016

 

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