Wie misst man den Erfolg eines Chief Strategy Officer?

Roland Berger

Die Studie "Revealing the chief strategis's hidden value" von Roland Berger und der Universität St. Gallen befasst sich mit den Aufgaben von Strategieabteilungen, die aufgrund unsicherer wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen immer komplexer werden.

Hinzu kommen Sparmaßnahmen vieler Unternehmen, die die Arbeit von Chief Strategy Officers (CSOs) zusätzlich erschweren. Unter diesen Bedingungen werde es daher immer wichtiger, die Arbeit der Strategieabteilungen sinnvoll zu messen und sowohl im Unternehmen als auch bei den Stakeholdern transparent zu kommunizieren, so die Studienautoren.

Obwohl 94 Prozent der befragten Unternehmen eine zentrale Strategieabteilung an ihrem Hauptsitz haben, ist diese nicht alleine verantwortlich: 44 Prozent verfügen über Strategie-Teams in anderen Abteilungen oder Landesgesellschaften. Vor allem M&A-Abteilungen beschäftigen sich mit der Erarbeitung und Weiterentwicklung von Strategien (54 Prozent). 70 Prozent der Befragten setzen für spezielle Strategieprojekte auf externe Unterstützung. Global tätige Unternehmen brauchen demnach einen umfassenden Überblick und den Input aller Beteiligten, wenn sie schnell und flexibel auf Kundenwünsche und Markttrends reagieren wollen. Dazu kommt: "Mitarbeiter sind motivierter und eher bereit, die neue Strategie zu akzeptieren und zu implementieren, wenn diese nicht einfach von oben vorgesetzt wird", sagt Dr. Tim Zimmermann, Partner von Roland Berger.

CSOs koordinieren und kommunizieren

Zentrale Aufgaben der Chefstrategen bestehen darin, einzelne Teilstrategien ihrer Firma zusammenzuführen und zu koordinieren und sie in eine Gesamtstrategie zu überführen. Prof. Dr. Markus Menz vom Institut für Management der Universität Genf meint hierzu: "Entsprechend anspruchsvoll ist das Profil der CSOs. Neben der Durchführung quantitativer Analysen müssen sie auch ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten besitzen und als Moderatoren einzelne Interessen in Einklang bringen."

Die Bedeutung der Chefstrategen lässt sich daran erkennen, dass über 70 Prozent der befragten Chefstrategen direkt an den CEO berichten. "Durch den direkten Zugang zur obersten Führungsebene können die CSOs schwierige Entscheidungen schneller treffen, denn sie genießen die Rückendeckung der Vorgesetzten", erläutert Prof. Dr. Günter Müller-Stewens vom Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen (HSG). Trotzdem kostet die umfangreiche Koordinationsarbeit viel Zeit. So verbringen laut der Studie viele CSOs über 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Koordination und Überwachung des Strategieprozesses.

Erfolg der Chefstrategen ist nur schwer nachzuvollziehen

Die Beurteilung der Leistungen von Chefstrategen fällt allerdings vielen Unternehmen noch schwer. Normalerweise werden CSOs an den gängigen Finanzzahlen wie etwa Umsatz- oder EBITDA-Entwicklung gemessen. Alternativ steht die strategische Performance der Firma etwa nach Marktanteilen und Kundenzufriedenheit im Vordergrund. Hinzu kommen individuelle Beurteilungen gemessen an der Anzahl erfolgreich abgeschlossener Projekte oder durch Feedbackgespräche. Allerdings geben 70 Prozent der Befragten an, dass CSO-spezifische Beurteilungskriterien nur unregelmäßig oder gar nicht angewandt werden. "Dies liegt auch daran, dass die Implementierung einer Strategie zwischen zwei und fünf Jahren dauert und der Erfolg erst danach gemessen werden kann", erklärt Menz. "Viele CSOs erleben diesen Moment aber oft nicht mehr, weil sie eine neue Aufgabe haben oder das Unternehmen verlassen haben."

Zudem sollte die Arbeit der CSOs nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung des Unternehmens bewertet werden. Die Studienautoren sehen es als wichtig an, dass der CEO die Bewertungskriterien eindeutig festlegt. Sie empfehlen die einzelnen Tätigkeiten in Aufgabenbereiche zu unterteilen und in messbare Key Performance Indicators (KPIs) zu überführen. "Nur so kann ein mehrdimensionales Bewertungssystem in Form eines 'CSO Value Cockpit' entstehen, das die vielfältigen Aufgaben der CSOs für die Unternehmensführung transparent und nachvollziehbar messbar macht", fasst Roland Berger-Partner Tim Zimmermann zusammen.

Zur Studie:
Die Studie von Roland Berger und der Universität St.Gallen basiert auf einer Umfrage unter 109 Strategieleitern europäischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen.

dr

Veröffentlicht am: 15.01.2016

 

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