Wieder mehr Betrugs- und Korruptionsfälle in deutschen Unternehmen

Ernst & Young Studie

Betrug und Korruption sind in deutschen Firmen wieder gestiegen: Nachdem der Anteil von Unternehmen, die innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierten, 2016 noch auf 14 Prozent gesunken war, liegt er nun wieder vier Prozent höher. Global sehen die Zahlen anders aus.

Bargeldzahlungen lehnen deutsche Manager ab(Bild: M.Schuppich - fotolia)

Bargeldzahlungen lehnen deutsche Manager ab(Bild: M.Schuppich - fotolia)


Trotz der gestiegenen Zahl entdeckter Delikte halten Deutschlands Manager Korruption in Deutschland nicht für ein generelles Problem: Keiner der befragten deutschen Manager hält Korruption hierzulande für weit verbreitet. In Ländern wie Brasilien (96 Prozent), Kolumbien (94 Prozent) oder Nigeria (90 Prozent) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnen deutsche Manager durchgehend ab. Im globalen Durchschnitt sieht das anders aus: Da würden 13 Prozent der Manager Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen. Unterhaltungsdienstleistungen (16 Prozent) oder persönliche Geschenke (2 Prozent) halten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit ist der Anteil mit 21 Prozent beziehungsweise 11 Prozent allerdings höher.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

Zeichen für funktionierende Überwachungssysteme

"Die vergleichsweise hohe Zahl von entdeckten Betrugsfällen in Deutschland ist kein Zeichen für eine überbordende Kriminalität in deutschen Unternehmen. Sie zeigt vielmehr, dass die in den letzten Jahren hierzulande eingeführten Compliance-Systeme in vielen Fällen greifen", kommentiert Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, die Ergebnisse. "Wo funktionierende Überwachungsprozesse im Einsatz sind, da wird auch mehr aufgeklärt, auch wenn es insgesamt gesehen gar nicht so viele Betrugs- und Korruptionsfälle gibt", so Heißner.

In Ländern, in denen überwiegend Kommissar Zufall bei der Entdeckung von Betrugs- und Korruptionsfällen beteiligt sei, liege die Dunkelziffer von Compliance-Fällen bedeutend höher als in Ländern mit einer stärker ausgeprägten Compliance-Kultur. "Die deutsche Wirtschaft ist inzwischen im internationalen Vergleich bei Compliance-Themen gut aufgestellt", stellt Heißner fest.

Dennoch gebe es auch für deutsche Unternehmen keinen Grund, sich zurückzulehnen: "Der Kampf gegen Betrug und Korruption ist keine Einmalaktion – er muss fortlaufend geführt und Teil der Firmenkultur werden. Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult und sensibilisiert werden. Und das Management muss eine Null-Toleranz-Politik vorleben", mahnt Heißner.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder Achte. Der Grund dafür könnten zu hohe Zielvorgaben sein, vermutet Heißner.

Veröffentlicht am: 16.05.2018

 

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