Wirtschaft in Deutschland: Wie agil sind wir schon?

Studie: Mehr und schnellere Entscheidungen nötig

Dass sich Entscheidungsprozesse verändern und der Digitalisierung anpassen müssen, ist in den meisten Unternehmen angekommen. Die Umsetzung lässt jedoch noch etwas auf sich warten. Eine Umfrage unter 300 Entscheidern liefert Zahlen.

Agiles Arbeiten wird für Unternehmen wichtiger (Bild: karashaev - fotolia)
Agiles Arbeiten wird für Unternehmen wichtiger (Bild: karashaev - fotolia)

Die Unternehmen erkennen quer durch alle Branchen und Größen, dass gewohnte Entscheidungsstrukturen nicht mehr funktionieren. Durch die globale Vernetzung und das Tempo der technologischen Entwicklung steigt der Entscheidungsdruck auf die Manager. 

60 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass sie Entscheidungen heute schneller treffen als noch vor fünf Jahren, so die Studie. Rund jeder Zweite (49 Prozent) muss zudem auch häufiger entscheiden.

Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Bei den Absichten, agiler zu entscheiden, spielen vor allem Kundenanforderungen eine Rolle. So streben zwei von drei Führungskräften (63 Prozent) wollen agiler werden, um schneller und individueller auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können.

Grundsätzlich sehen sich die meisten Entscheider in punkto Agilität schon ganz gut aufgestellt. Im Vergleich zum Wettbewerb bewerten 44 Prozent der Befragten das eigene Unternehmen als durchschnittlich, 27 Prozent sogar als überdurchschnittlich agil.
Beim Blick auf konkrete Veränderungen gehen Wunsch und Wirklichkeit noch auseinander. Der Einsatz agiler Methoden wie Scrum und Kanban ist beispielsweise nicht flächendeckend. Ein Viertel aller Unternehmen nutzt gar keine agilen Methoden, und erst 14 Prozent verfügen über ein rein agiles Führungsmodell.

Mitarbeiter sollen selbständiger entscheiden

Als Voraussetzung für eine agile Organisation zählen Entscheidungsautonomie der Mitarbeiter, eine Unternehmenskultur, die Fehler verzeiht und flache Hierarchien. Das ist den meisten Entscheidern bewusst. Neun von zehn Führungskräften erklären, dass sie ihre Mitarbeiter ermutigen, schnell und selbständig zu entscheiden. 74 Prozent sagen, dass in ihrer Organisation Fehlentscheidungen genutzt werden, um daraus zu lernen.

Dennoch ist bei 28 Prozent das Führungsmodell von Unternehmen klassisch hierarchisch aufgebaut, weitere 19 Prozent pflegen einen partizipativen Führungsstil, 39 Prozent der Befragten bezeichnen den Führungsstil in ihrem Unternehmen als Mischform. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen (30 Prozent) arbeitet aktuell am Abbau von Hierarchien.

Entscheider verlassen sich auf Erfahrungsschatz aus der analogen Welt

Lieber als auf Technik und Daten verlassen sich Führungskräfte in Deutschland noch immer auf ihre Erfahrung und treffen Entscheidungen vielfach rein intuitiv. Neun von zehn Führungskräften geben an, dass ihre Entscheidungen stark (48 Prozent) oder sogar sehr stark (42 Prozent) auf Erfahrung und Intuition beruhen. "In einer Welt, in der die Digitalisierung das Innovationstempo vorgibt, sinkt die Halbwertzeit unseres analogen Erfahrungswissens dramatisch", so Urs M. Krämer. "Unsere Studie belegt, dass Entscheider zwar durchaus spüren, dass sich etwas verändern muss. Dennoch setzen sie eher auf bewährte Methoden, als konsequent umzudenken".

Über die Studie:
Für die Studie „Potenzialanalyse agil entscheiden“ hat das F.A.Z.-Institut im Auftrag von Sopra Steria Consulting im Februar 2018 mehr als 300 (n=302) Geschäftsführer, Vorstände, und Führungskräfte von Finanzdienstleistern, Energie- und Telekommunikationsunternehmen, aus dem verarbeitenden Gewerbe und der Öffentlichen Verwaltung befragt.

Veröffentlicht am: 18.04.2018

 

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