Wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser bleibt schwierig

Roland Berger

Die deutschen Krankenhäuser haben auch weiterhin mit einer schwierigen wirtschaftlichen Lage zu kämpfen. Laut einer Studie von Roland Berger konnten trotz einer leichten Verbesserung noch immer 30 Prozent der Hospitäler keinen Jahresüberschuss erzielen.


Die Chancen, dass sich an dieser Situation in näherer Zukunft etwas ändern könnte, stehen nach Einschätzung der von Roland Berger befragten Vorstände und Geschäftsführer eher schlecht. Bereits für 2016 gehen viele Krankenhäuser von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus, mittelfristig befürchten sogar über 70 Prozent eine Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen.

Ein Großteil der Branche befindet sich in Restrukturierungsprozessen

Angesichts der gegenwärtigen und zu erwartenden Schwierigkeiten ist der Bedarf an einer Restrukturierung des Geschäfts innerhalb der Branche hoch. So erklärten 70 Prozent der Befragten, dass sie sich zurzeit in einer Phase der Restrukturierung befänden, über 75 Prozent wollen diese Bemühungen mit hoher Intensität fortsetzen. Erschwert werden die Anstrengungen der Krankenhausmanager allerdings nicht nur durch die schwierige wirtschaftliche Lage, sondern auch durch stagnierende Fördergelder. Größere Investitionen sind für viele Häuser daher kaum noch möglich. Schon jetzt investiert die Hälfte aller Hospitäler nach eigenen Angaben nicht mehr in ausreichendem Maße.

Stattdessen stehen klassische Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung im Vordergrund. Insbesondere auf die stationären Erlöse (100 Prozent) sowie die medizinischen Sachkosten (84 Prozent) soll dabei ein Hauptaugenmerk gerichtet werden. Darüber hinaus plant rund die Hälfte der Krankenhäuser, auch die ambulanten Erlöse zu steigern, da die erwähnten klassischen Hebel kaum noch ausreichen, um die Ziele zu erreichen. Eine Einsparung von Personalkosten gestaltet sich hingegen schwierig – vor allem bei Häusern in öffentlicher Trägerschaft sind die sozialen und politischen Hürden, die sich einer derartigen Strategie in den Weg stellen, hoch.

Restrukturierungsinitiativen scheitern häufig an der Umsetzung

Ohnehin spielen die Mitarbeiter hinsichtlich des Erfolgs der Restrukturierung eine große Rolle. So sehen fast 90 Prozent der Krankenhausmanager nicht die größte Herausforderung darin, geeignete Maßnahmen zu identifizieren, sondern sie auch tatsächlich umzusetzen. Ein Beispiel für dieses Problem ist die Digitalisierung, die auch für Krankenhäuser viel Potenzial bietet. Entsprechend haben bereits 79 Prozent in ihren Restrukturierungsinitiativen auch Maßnahmen zu diesem Thema berücksichtigt. Durch Schwierigkeiten bei der Umsetzung profitieren bislang allerdings nur 17 Prozent der Krankenhäuser auch wirtschaftlich klar von den eingeleiteten Vorhaben.

Das Überwinden der Widerstände vonseiten der Mitarbeiter (71 Prozent) und das Finden einer Balance zwischen Medizin und Ökonomie (69 Prozent) gehört somit zu den zentralen Prüfsteinen, die sich der Umsetzung der Restrukturierung in den Weg stellen. Aus diesem Grund sehen 96 Prozent der Befragten auch die Unterstützung durch Führungskräfte und Mitarbeiter als die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Restrukturierung an. Eine klare und transparente Kommunikation ist für 89 Prozent daher ein wesentlicher Bestandteil der Strategie.

Zur Studie:
Für die "Krankenhausstudie 2016" hat Roland Berger die Vorstände und Geschäftsführer der 400 größten Krankenhäuser in Deutschland befragt.

tt

Veröffentlicht am: 04.06.2016

 

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